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NO CARRIERDas Mailbox-Buch
Aufmacherseite von Teil 4: der Anmeldebildschirm der WebCarrier-Demo-Box in ANSI, darunter die Überschrift „Mailbox heute“

Teil 4 · Seite 73 bis 92

Mailbox heute

Die Mailboxen sind nie ganz verschwunden. Über tausend laufen heute noch, erreichbar über das Internet, und mit WebCarrier BBS eröffnest du deine eigene Box auf ganz normalem Webspace. Teil 4 zeigt beide Wege.

Gibt es heute noch Mailboxen?

Ja, und mehr, als man denkt. Der Telnet BBS Guide, das wichtigste Verzeichnis der Szene, listete im Oktober 2026 genau 1.074 Boxen. Fast alle sind per Telnet erreichbar, 83 auch per SSH und 33 sogar noch über eine echte Telefonleitung. Um 2020 waren es fast 800, die Szene wächst also langsam weiter. Viele laufen mit Software aus den 80ern und 90ern wie Synchronet, Mystic BBS oder ENiGMA½, die bis heute gepflegt wird.

Auch die Netze leben. Das FidoNet von 1984 gibt es noch, daneben jüngere Netze wie fsxNet. Door-Server wie DoorParty bieten über 180 Spiele an, damit nicht jede Box jedes DOS-Spiel selbst im Emulator einrichten muss. In Deutschland findest du die Hackerforce BBS in Frankfurt, die auf eine Box von 1993 zurückgeht, oder TECS aus dem Raum Hamburg, die von 1984 stammt und nach dem Tod ihres Autors gerettet wurde.

Wie ruft man heute eine Mailbox an?

Mit einem Terminalprogramm, das ANSI-Farben und den alten PC-Zeichensatz richtig darstellt. Das schlichte telnet von Linux oder Windows schafft das nicht. Das Buch führt dich in sieben Schritten durch den ersten Anruf mit SyncTERM: herunterladen, eine Box im Verzeichnis aussuchen, den Eintrag in der Wählliste anlegen, anrufen, beim Login NEW tippen, sich umsehen und ordentlich auflegen. Dazu kommen die wichtigsten Tasten und eine Liste von Dingen, die du besser lässt, etwa dasselbe Passwort wie überall.

Das Kapitel „Am Leben halten“ schaut hinter die Kulissen einer Telnet-Box: was ein Sysop heute an Rechner, Software, Emulatoren, Netzpost und Sicherung pflegen muss und wie eine typische Woche aussieht. Geld spielt dabei kaum eine Rolle, Zeit umso mehr.

Hauptmenü von WebCarrier BBS: großer Schriftzug WEBCARRIER BBS in Weiß, Cyan und Gelb, darunter zwei Kästen mit den Gruppen Kommunikation, Dateien und Spiele, Leute und System, jede Taste auf blauem Feld
Das Hauptmenü der Demo-Box: jede Taste führt direkt ans Ziel, ohne Enter.

Wie damals

Früher bekam man die Nummer einer Box auf einem Zettel oder in einem Brett. Heute verschickst du einen Link. Der Rest ist erstaunlich gleich geblieben.

Was ist WebCarrier BBS?

WebCarrier BBS ist eine Mailbox im Stil der frühen Neunziger, die als Website läuft. Wer deine Adresse öffnet, sieht einen DOS-Bildschirm mit 80 mal 25 Zeichen, drückt eine Taste, hört Wähltöne und Modempfeifen und landet im Login. Ab da geht alles über die Tastatur: Bretter, Dateibereich, Oneliner, Treffpunkt, Umfragen, Doors. Deine Anrufer installieren nichts, und du brauchst keinen eigenen Server. Normaler Webspace mit PHP ab 8.1 und SQLite reicht, die Software selbst ist kleiner als ein Megabyte und kostet nichts.

Vieles von damals steht an seinem alten Platz: Leitungen heißen Nodes, ab Werk sind es vier. Level von 0 bis 255 regeln Minuten und Downloads pro Tag, die Ratio zählt Downloads pro Upload, und wer auflegt, bekommt sein NO CARRIER. Ehrlich ist das Buch auch bei dem, was fehlt: Telnet, SSH und ein Netz zwischen mehreren Boxen gibt es in WebCarrier nicht. Wer das Echte mit allem Drum und Dran will, baut eine klassische Box.

Wie macht man seine eigene Box auf?

In sechs Schritten, die jeder kennt, der schon einmal WordPress installiert hat: ZIP herunterladen, per FTP hochladen, die Rechte der Ordner core und data prüfen, den Installer im Browser aufrufen, Name der Box, Ort, Sprache und Sysop-Passwort eintragen, installieren. Danach gehört der Ordner install gelöscht, Impressum und Datenschutz eingetragen und das Begrüßungsbild gemalt, zum Beispiel mit WAnsiDraw aus Teil 3.

Buchseite 81: Deine Box in einer Viertelstunde, mit einer Tabelle der Anforderungen an den Webspace und sechs nummerierten Schritten von Herunterladen bis Installieren
Seite 81: Herunterladen, hochladen, Installer aufrufen, fertig.

Die Kapitel zum Gestalten und zum Backend zeigen, womit du deiner Box ein eigenes Gesicht gibst: ANSI-Screens im alten Zeichensatz, Text-Screens mit Pipe-Codes wie |14 für Gelb, Makros wie @USER@, die die Box beim Anzeigen füllt, und Menüs mit Vorschau im Editor. Im Backend, das auch auf dem Handy läuft, verwaltest du Nutzer, Bretter, Dateien, Umfragen und Sperrliste, sicherst die Box mit einem Klick und schützt dein Sysop-Konto mit einem zweiten Faktor.

Wie schreibt man ein eigenes Door?

Alte DOS-Doors laufen in WebCarrier nicht. Stattdessen ist jedes Door eine einzelne PHP-Datei im Ordner doors: hochladen, im Backend auf „Ins Menü aufnehmen“ klicken, fertig. In der Demo-Box stehen Hi-Lo, Schach, Hangman, Vier in einer Reihe, ein Mailbox-Lotto, Backdoor und DRAKVOR, das Rollenspiel aus Teil 5. Jede Box, die DRAKVOR anbietet, tritt im Wettstreit der Mailboxen gegen alle anderen an.

Doors-Menü der Demo-Box: blaue Titelleiste, darunter ein Kasten Bestenliste mit DRAKVOR und Hi-Lo, dann die Auswahl mit Hi-Lo, Schach, Hangman, Backdoor, DRAKVOR, Mailbox-Lotto und Vier in einer Reihe
Das Doors-Menü: oben die Spitzenreiter jedes Spiels, darunter die Auswahl.

Die Werkstatt baut dann Schritt für Schritt ein eigenes Spiel: Aschewürfel, ein Würfelspiel mit Bestenliste. Du würfelst, so oft du willst, jede Zahl wandert in den Topf, eine Eins leert ihn, mit B bunkerst du, und bei 50 hast du gewonnen. Ein Door ist eine Klasse mit zwei Methoden, start() für den ersten Bildschirm und input() für jede Taste, und das Buch erklärt jede Zeile, bis hin zu der Frage, warum random_int() die richtige Wahl ist, sobald eine Bestenliste dranhängt. Ein Kasten rechnet nach, bei welchem Topf man am besten bunkert.

Buchseite 87: Dein erstes Door, mit PHP-Code für das Gerüst und den Anfang des Würfelspiels Aschewürfel und Erklärungen daneben
Seite 87: das Gerüst für Aschewürfel, Zeile für Zeile erklärt.

Was macht ein Sysop in der ersten Woche?

Das Sysop-Tagebuch verteilt die Arbeit auf sieben Tage: Montag aufräumen und Impressum, Dienstag Leitungen und Level, Mittwoch das Begrüßungsbild, Donnerstag Fragebogen und Sperrliste, Freitag zweiter Faktor und erste Sicherung, Samstag die ersten Nachrichten und eine Umfrage, Sonntag die Statistik lesen. Dazu kommen die Fragen, die Anrufer dir stellen werden, vom vergessenen Passwort bis zum wartenden Upload, und eine Regel zum Abschreiben, mit der die Box Stammgäste von selbst hochstuft.

Das letzte Kapitel handelt davon, wofür so eine Box gut ist: für den alten Freundeskreis, den Verein, die Spielrunde oder einfach für dich selbst. Drei Bretter, in denen etwas los ist, sind besser als zwanzig leere. Und wenn niemand kommt, hast du immer noch deine eigene Box, mit deinem Bild, deinen Brettern und deinem Spiel.